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  • 7 Gedanken zum grüneren Gras des Nachbarn  … ist es noch im Fluss oder kann es weg?

    7 Gedanken zum grüneren Gras des Nachbarn … ist es noch im Fluss oder kann es weg?

    Das Gras beim Nachbarn ist grüner. Das Haus der anderen gemütlicher. Der Job der Kollegin spannender. Die Haare der Frau im Café – nun ja. Kennst du dieses Gefühl, dass immer genau das, was du nicht hast, das Bessere zu sein scheint?

    Es ist immer das, was ich gerade nicht habe.

    Ich kenne es. Und ich habe in letzter Zeit gemerkt: Manchmal stimmt das sogar. Manchmal lohnt es sich, genauer hinzuschauen – und ehrlich zu entscheiden, was wirklich noch passt, was gerade im Wandel ist und was getrost weg kann.

    7 Gedanken. Sieben Momente, in denen ich innegehalten habe. Über mein Haus, meine Haare, meinen Job, die Einsamkeit, toxische Kommunikation und die Frage, wie viel wir Frauen gerade still und leise verlieren – ohne es zu merken.

    #1: Mein Traumhaus und ich

    Ich habe immer davon geträumt, in einem Haus mit einem großen Garten zu leben.

    Seit fast 15 Jahren tue ich das. Und irgendwann in den letzten Jahren ist mir aufgegangen: Es ist mir zu viel. Zu groß. Zu aufwändig. Die meisten Zimmer brauche ich nicht. Die Holzterrasse gibt langsam auf und muss komplett erneuert werden. Freunde zum Gartenfest einladen? Schwierig. Und der Garten? Den nutzt hauptsächlich mein Hund.

    Ich bin eigentlich nur noch draußen, um Büsche zu schneiden und Rasen zu mähen – damit die Nachbarn mich nicht wieder ansprechen, dass es zu ungepflegt aussieht.

    Und dann – mitten in diesem Gedanken – schaue ich raus.

    Vögel, Insekten, wilde Katzen, wilde Pflanzen, Heilkräuter. Eine biologische Vielfalt, die sich hier still und leise entwickelt hat, während ich nicht hingeschaut habe. Mein Garten ist ein kleines Naturparadies. Und ich bin die Einzige, die ihn schützt.

    Solange ich noch hier bin, kann all das existieren. Irgendwann, wenn die Scheidungsfolgenauseinandersetzung (Hallo Scrabble-Fans 🙂 abgeschlossen ist, werde ich ausziehen und das Haus seinem Schicksal übergeben.

    Manchmal ist das Zuhause, das wir uns so sehr gewünscht haben, nicht mehr das, was wir brauchen. Und trotzdem trägt es etwas in sich, das wir nicht so einfach loslassen können.


    #2: Meine Locken und ich

    Ich habe immer davon geträumt: lange Haare mit tollen Locken, am besten bis zum Po. Rassig, imposant, auffällig.

    Ich habe es geschafft. Lange Haare bis zum unteren Rücken, echte Naturlocken. Yess!
    Und dann die Realität: gute Stunde Aufwand, einmal pro Woche. Waschen, von Hand curlen, die einzelnen Partien von Hand formen – nicht kämmen, mit den Fingern in Form bringen. Immer wieder. Jeden Morgen aufs Neue.

    Das Ergebnis frisch gewaschen? Ehrlich gesagt – wow, wunderschön. Die Locken lebendig, die grauen Strähnchen mittendrin machen es besonders. Komplimente ohne Ende.

    Spätestens nach zwei Tagen: vorbei. Die Haare sind schwer, die Locken hängen sich aus, und was übrig bleibt, wirkt strohig und fad. Eine Stunde Aufwand für eineinhalb Tage gute Frisur. Jeden Tag neu anfangen müsste man eigentlich.

    Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum halte ich eigentlich an diesem Traum fest?

    Jetzt habe ich einen kurzen Bob. Pragmatisch, die Locken halten länger, es sieht fesch aus – und anscheinend wirke ich zehn Jahre jünger. An den Komplimenten fehlt es mir jedenfalls nicht. Die kommen weiterhin. 😄

    Manchmal ist das Loslassen eines alten Traums das Beste, was man sich selbst schenken kann.


    #3: Mein Job und ich

    Was ist ein Job eigentlich wert?

    Ich meine das ernst. Ein Job, der mein Einkommen sichert, meine Monatsausgaben deckt – aber mich langfristig auslaugt. Der gegen meine Werte läuft. In dem ich jeden Tag mit Menschen zusammenarbeite, die neuen Ideen und anderen Sichtweisen reflexartig mit Ablehnung begegnen. Wie „Lemminge“, die einfach nicken und weitermachen wie bisher.

    Kein Spaß. Keine Aufstiegschancen. Kaum Aussicht auf mehr Gehalt. Und das Gefühl, dass mein Potenzial hier aktiv begrenzt wird.

    Mal ehrlich: Das hat keine Zukunft für mich.

    Ich weiß das, das ist mir gerade in diesem Monat wieder sonnenklar geworden. Und trotzdem sitze ich noch immer da, weil das Einkommen gebraucht wird und Sicherheit verlockend ist – auch wenn sie sich wie ein goldener Käfig anfühlt.

    Meine Antwort darauf: Ich bringe meine Selbstständigkeit voran. Schritt für Schritt. Unabhängigkeit ist kein Traum, den ich irgendwann mal angehe. Sie ist notwendig und das Ziel, auf das ich hinarbeite – jetzt. 💪


    #4: Was ich so alles in der Hand habe?

    „Du hast es in der Hand.“

    Das stand heute Morgen auf meiner Reflexionskarte. „Kreatives Leben. Du hast es in der Hand. Du gestaltest dein Leben durch deine innere Ausrichtung und deine Handlungen.“

    Ich hab die Karte gezogen, nachdem ich mich gestern im Meeting geärgert habe – und danach noch die halbe Nacht.

    Was mich aufgeregt hat? Die Haltung vieler Kollegen: „Wenn die Chefs das so beschlossen haben, wird das schon richtig sein.“ Kein kritisches Nachfragen. Keine eigene Meinung. Einfach nicken und weitermachen. Ich kann damit nicht. Ich will damit nicht.

    Und dann diese Karte heute morgen.

    Ich muss das nicht dauerhaft ertragen. Ich darf mich umorientieren. Ich darf die Firma wechseln. Ich darf komplett in meine Selbstständigkeit eintauchen. Ich darf etwas Eigenes machen. Ich darf daran glauben, dass ich es schaffe.

    OMG – ist das die Erlaubnis vom Universum? 😲

    Vielleicht war es das genau das. 🔥


    #5: Die Einsamkeit.

    Gestern Abend: eine Dokumentation über Einsamkeit.

    Interessantes Thema – weil ich dieses Gefühl für mich selbst so noch nie erlebt habe. Ich kenne es aber aus den Erzählungen von Freunden und Bekannten, die es beschrieben haben: während Corona, nach einem Umzug in eine neue Stadt, in Phasen, wo man plötzlich nicht mehr eingebunden war.

    Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich einen Hund habe.

    Hundili ist mein treuester Begleiter. Immer da. Er liebt mich, hört mir zu, ist da für mich. Manchmal zieht er sich zurück, wenn meine Stimmung gerade nicht so top ist – aber er kommt immer wieder. Freundlich. Ohne Nachtrag. Ich wünschte, das könnten alle Menschen so. 🐾

    Mit ihm fühle ich mich nie einsam. Und mit ihm komme ich blitzschnell mit anderen Menschen in Kontakt. Bei jedem Gassigang, auf jeder Wanderung, mindestens eine Person, mit der ich rede. Echte Gespräche, echte Freundschaften, die schon daraus entstanden sind.

    Ein Hund ist kein Ersatz für menschliche Nähe – aber er öffnet Türen zu ihr. Und er selbst gibt so viel, dass der Rest leichter wird.


    #6: Sichtbarkeit von erfolgreichen weiblichen Rolemodels

    French Open. Ich schalte ein und suche Frauen-Matches. Was ich bekomme: Matchbälle. Eine Mini-Zusammenfassung. Manchmal nicht mal das. Das ist kein Einzelfall. Es zieht sich durch alle Sportarten – Frauen-Wettbewerbe, Frauen-Teams, Frauen-Leistungen, Erfolge von Frauen? Massiv unterrepräsentiert, wenn überhaupt sichtbar.

    Und in den Medien generell? Ich beobachte, dass Frauen-Themen wieder häufiger bedeuten: Mode, Essen, Haare, Make-up, Klatsch. Das war’s. Als hätten wir nichts anderes im Kopf.
    Erfolgreiche Frauen, emanzipierte weibliche Vorbilder, Gleichstellung – das alles wird zunehmend unsichtbar. Leise verdrängt aus der öffentlichen Wahrnehmung. Und kaum jemand redet darüber.

    Mich macht das wütend. Weil ich weiß, was das bedeutet – vor allem für junge Frauen. Wir orientieren uns an dem, was wir täglich sehen. Wenn das, was wir sehen, wieder hauptsächlich das traditionelle, patriarchale Frauenbild ist – dann prägt das. Ob wir wollen oder nicht.

    Vorbilder sind kein Nice-to-have. Sie zeigen, was möglich ist. Gerade für junge Generationen – an Frauen und Männern.

    Kennst du das auch – dieses Gefühl, dass wir gerade Boden verlieren, den wir hart erkämpft haben?


    #7: Toxische männliche Kommunikationsmuster

    Mir fällt es immer öfter auf. In meinem direkten Umfeld.

    Eine Frau spricht etwas aus. Sachlich, klar. Und was passiert? Ein Mann drängt sich in den Vordergrund, bleibt nicht bei der Sache. Stattdessen: Nebelbomben. Das Thema wird wechselt, die Frau wird mit lautstarken Behauptungen diskreditiert, ihre Glaubwürdigkeit in Frage gestellt – bevor überhaupt jemand inhaltlich antworten kann hat die Diskussion einen anderen Fokus. Und die anderen im Raum? Frauen und Männer? Still. Oder sie schließen sich der Meinung des Lautesten an.

    Was mich dabei besonders beschäftigt: Es zieht sich durch alle Altersgruppen. Das ist kein Generationenproblem. Das ist ein Muster.

    Gerät hier gerade etwas in Schieflage?

    Ich glaube, ja. Und ich glaube, dass das Schweigen im Raum Teil des Problems ist – egal ob man selbst betroffen ist oder nicht.

    Hast du das auch in letzter Zeit öfter erlebt oder beobachtet? 👇


    Fazit: „im Fluss sein“ bedeutet Bewegung.

    7 Gedanken. Sieben Themen, die mich diesen Monat beschäftigt haben – mal leise, mal laut, mal mitten in der Nacht.

    Was sie alle verbindet? Der Moment, in dem ich aufgehört habe, dem hinterherzutrauern, was war – und angefangen habe, ehrlich hinzuschauen, was gerade ist. Das Haus, das mir zu groß geworden ist. Die Locken, die mich zunehmend genervt haben. Der Job, der nicht mehr zu mir passt. Die Wut über das, was Frauen gerade still verlieren.

    Das alles ist im Fluss. Und „im Fluss sein“ bedeutet nicht, dass alles leicht ist. Es bedeutet, dass es sich bewegt, im Wellengang mit spritzender Gischt. Dass ich mich bewege.

    Vielleicht geht es dir gerade ähnlich – in einem dieser Punkte, in mehreren oder in einem ganz anderen. Vielleicht fragst du dich auch, warum du noch an etwas festhältst und was du endlich loslassen darfst.

    Wenn du magst, schreib mir ein eMail oder in die Kommentare. Kein Patentrezept, kein Coaching-Pitch – einfach echter Austausch auf Augenhöhe, von Frau zu Frau. Denn genau das vermisse ich manchmal am meisten: Gespräche, in denen man einfach sagen darf, wie es wirklich ist.

    Ich freue mich auf dich. 💛