Schlagwort: Rückschläge

  • An Rückschlägen wachsen oder warum du erst Fehler machen musst

    An Rückschlägen wachsen oder warum du erst Fehler machen musst

    Es gibt Momente, in denen du kurz vor dem Ziel stehst und es dann doch aus der Hand gibst. Und danach diese leise Frage: Warum ausgerechnet jetzt? Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass genau in solchen Momenten mein größtes Wachstum steckt und wie ich aus den Fehlern lernen und an Rückschlägen wachsen kann. Wie ich darauf gekommen bin? Auf einem Tennisplatz.

    5:2 im ersten Satz. Ich stand da auf dem Platz, der Satz-Gewinn zum Greifen nah, und dann kippte alles. Punkt für Punkt holte sie auf, und am Ende hieß es 6:7. Verloren. Den zweiten Satz dann mit 6:4 durchgespielt.

    Und dann im entscheidenden Satz dasselbe Spiel noch einmal, nur an anderer Stelle. Match-Tiebreak, ich führe mit 7:6, es ist eng, drei Punkte fehlen mir noch. Und wieder passiert dieses Ding, für das ich keinen Namen habe: Ich gebe ihn ab, mit 7:10.

    Drei Sätze, zwei Führungen, zweimal kurz vorm Ziel. Und zweimal diese eine Frage, die mich danach wieder nicht loslässt: Warum reißt bei mir der Faden genau hier? Genau in diesen Momenten, in denen es zählt?

    Das wichtigste in Kürze

    • Wachstum beginnt an den Stellen, an denen dir etwas misslingt – nicht in deinen Siegen.
    • Ein Sieg bringt Anerkennung von außen, ein Rückschlag bringt dich innerlich weiter.
    • Reflexion ist dein stärkstes Werkzeug: zurück in die Situation gehen und das Muster hinter deinem „hier scheitere ich immer“ finden.
    • Ein Fehler ist kein Makel an deiner Person. Du bist weiterhin gut genug und darfst trotzdem besser werden.
    • Dranbleiben gelingt im Einklang mit Körper und Kopf und mit guter Nährstoff-Versorgung, nicht durch mehr Druck. In den Wechseljahren gilt genau das: Deinem Körper bist du nicht ausgeliefert.

    An Rückschlägen wachsen geht nicht, wenn du gewinnst

    Ich habe eine Weile gebraucht, um zu merken, wo die interessanten Momente in meinem Leben liegen. Wachstum beginnt selten dort, wo du gewinnst. Es beginnt an einer anderen Stelle: da, wo dir auffällt, dass mehr drin gewesen wäre. Da, wo du anfängst zu fragen, warum es so gelaufen ist und nicht anders.

    An diesen Kreuzungen, an denen dein Leben plötzlich abbiegt – nicht dahin, wo du es dir ausgemalt hattest, öffnet sich etwas. Du hältst inne. Du schaust hin. Und genau da fängt Veränderung an.

    Hast du auch schon sowas erlebt? Eine Stelle, an der du den „Faden“ verloren hast und du eigentlich nur weiter wolltest?

    Warum ein Sieg schnell verpufft

    Stell dir vor, ich hätte gewonnen. Glückwünsche, ein Schulterklopfen, vielleicht ein Gläschen zum Anstoßen. Ein kurzer, strahlender Moment der Freude – und dann? Abhaken, weiter, die nächste Tagesaufgabe wartet. Ein Sieg fühlt sich schön an, aber er bringt mich innerlich kaum weiter. Er lädt mich nicht mal ein, näher hinzuschauen.

    Das Verlieren macht etwas anderes mit mir. Erst einmal ärgere ich mich, und dieser Ärger ist Energie. Dann werde ich nachdenklich. Ich spüre: Hier war Luft nach oben, hier wäre mehr möglich gewesen. Ich suche die Stellen, an denen mir der Faden gerissen ist, und ich gehe in Gedanken zurück in genau diese Situation.

    Der Sieg feiert die, die ich schon bin. Das Scheitern zeigt mir, wer ich noch werden kann und wie ich Rückschläge überwinden kann.

    Das Muster erkennen: Reflexion als dein Werkzeug

    Wenn ich zurückgehe in so einen Moment, stelle ich mir ein paar Fragen. Was war los in mir, kurz bevor es kippte? Was habe ich da gedacht? Was habe ich gefühlt? Was ist passiert, dass ich nicht mehr so konsequent weitergegangen bin wie noch kurz davor beim Stand von 5:2?

    Dabei geht es mir nicht darum, mich schuldig zu fühlen oder schlecht zu machen. Ich will verstehen. Denn wenn ich das Muster erkenne, kann ich die Hürde beim nächsten Mal vielleicht besser meistern und überwinden. Vielleicht ist es der Kopf, der zu früh schon feiert. Vielleicht die Anspannung, die mich verkrampfen lässt. Vielleicht ein Gedanke, der sich immer an derselben Stelle einschleicht. Vielleicht …

    Und hier kommt etwas dazu, das mir das Leben leichter gemacht hat: Ich versuche einen Fehler sachlich zu betrachten. Ein Rückschlag ist kein Riss in meiner Persönlichkeit. Ich bin deswegen kein bisschen weniger wert. Ich bleibe gut genug – und gleichzeitig darf ich besser werden. Diese Haltung nenne ich für mich Gedanken-Hygiene: den Kopf sauber halten von den Sätzen, die mich klein machen, und das Scheitern als offene Tür sehen statt als Sackgasse.

    Es gibt einen kleinen Sprachtrick, der genau das kann. Statt „das kann ich nicht“ sagst du in Zukunft: „das kann ich NOCH nicht.“ Ein Wörtchen, und schon schaut dein Kopf nach vorne, auf das, was noch kommen darf.

    Dranbleiben – und was es dafür braucht

    Jetzt könntest du denken: Dann muss ich eben härter mit mir sein, konsequenter, disziplinierter. Und ja, Hartnäckigkeit gehört dazu, Durchziehen auch. Über sich hinauszuwachsen kostet einiges.

    Aber noch härter gegen sich selbst zu arbeiten, das kann nicht das Ziel sein. Mehr Leistung entsteht nicht durch mehr Druck. Eine Hürde überwinde ich am besten im Einklang mit meinem Körper und meinem Kopf, nicht gegen sie. Und dafür brauchen beide etwas Handfestes: Energie.

    Der Kopf braucht volle Akkus, um in einem entscheidenden Moment ruhig und konzentriert zu bleiben und klar denken zu können. Der Körper braucht Nährstoffe, damit Muskeln und Gehirn liefern können, wenn es zählt. Dranbleiben ist zur Hälfte eine Sache der Haltung/deiner Physis – und zur anderen Hälfte eine Frage, wie gut dein Körper überhaupt versorgt ist.

    Vom gefühlten Rückschritt zum Neuanfang mit 40

    Und damit sind wir bei einem Thema, das viele von uns Frauen ab 40 gut kennen. Da ist dieser Punkt, an dem der eigene Körper zu machen scheint, was er will. Die Wechseljahre klopfen an, und plötzlich fühlt sich manches an wie ein Rückschritt: weniger Energie, ein Kopf wie in Watte, Beschwerden, die vorher nicht da waren oder schlimmer zu werden scheinen.

    Hier gilt für mich dasselbe wie auf dem Tennisplatz. Hinschauen. Das Muster verstehen. Etwas Neues ausprobieren. Denn deinem Körper und deinem Leben bist du nicht ausgeliefert. Du hast mehr in der Hand, als es an manchen Tagen scheint.

    Der wichtigste Schlüssel liegt für mich auf dem Teller. Die Ernährung hat jede von uns selbst in der Hand. Je besser dein Körper – die Organe, die Zellen – genährt ist, desto besser können sie arbeiten und dich bei dem unterstützen, was dein Alltag von dir verlangt: Ruhig bleiben, wenn der Stress steigt. Einen klaren Gedanken fassen, wenn es drauf ankommt. Konzentriert bleiben. Beweglich und ausdauernd sein. Und weniger von den Beschwerden spüren, die aus einem Nährstoffmangel entstehen können.

    Aus dem gefühlten Rückschritt wird so ein bewusster Neuanfang. Nicht über Nacht, aber Tag für Tag – Stück für Stück.

    Der Kreislauf: finden, verstehen, ausprobieren

    Am Ende ist es ein schlichter Ablauf, den ich immer wieder gehe. Ich suche diese Situationen aktiv auf, statt sie zu meiden. Ich frage nach dem Warum und überlege mir, was hätte besser sein müssen, wie wäre es besser gelaufen. Ich probiere einen neuen Weg aus. Und dann? Reflektiere ich wieder.

    Rinse. Reflect. Repeat.

    Jede Runde bringt mich meinem großen Ziel (so lange wie möglich leistungsfähig bleiben und so wenig wie möglich Wechseljahresbeschwerden spüren) ein Stück näher – über viele kleine, ehrliche Blicke auf das, was gerade nicht rundlief.

    Ich hab eine Einladung für dich!

    Denk einmal an die eine Situation, in der dir der Faden gerissen ist. Der Streit, der eskalierte. Das Projekt, das kippte. Der Vorsatz, der nach drei Wochen einschlief. Der Moment, in dem du kurz vorm Ziel warst und es dann doch nicht erreicht hast.

    Was, wenn genau dieser eine Moment dein nächster Wachstumsmoment ist?

    Ich lade dich zu etwas Kleinem ein: Nimm dir einen Zettel oder öffne die Notizen auf deinem Handy und schreib eine solche Situation auf. Nur für dich. Und dann die eine Frage dazu: Was ist da in mir passiert, kurz bevor es kippte? Du musst noch keine Antwort haben. Das Aufschreiben allein ist schon der erste Schritt.

    Denn ausgeliefert bist du nicht. Dein nächster Anlauf kann anders laufen – weil du diesmal weißt, wo du hinschauen musst.

    Meld dich gerne für einen offenen Austausch auf Augenhöhe.

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