Blähbauch nach dem Essen: Was hilft, wenn der Hosenknopf nicht mehr zugeht

In Kürze – Das wichtigste auf einen Blick

  • Ein Blähbauch nach dem Essen entsteht, wenn im Dickdarm mehr Gas anfällt, als der Körper nebenbei abtransportiert. Das ist ein normaler Vorgang, der bei manchen Frauen deutlich stärker ausfällt als bei anderen.
  • Wie stark er ausfällt, hängt unter anderem davon ab, was auf deinem Teller liegt, wie schnell du isst, wie spät die letzte Mahlzeit kommt und wie es um die Bakterien in deinem Darm steht.
  • Viele Frauen berichten, dass sich ihre Verdauung ab Mitte 40 verändert, ohne dass sie ihre Ernährung umgestellt hätten.
  • Ein Bauch, der dauerhaft drückt, schmerzt oder sich verändert, gehört einmal ärztlich angeschaut. Das steht vor jedem Hausmittel.
  • Was bei den meisten Frauen nicht am Wissen scheitert, sondern am Alltag: Sie wissen längst, was gut für sie wäre. Sie kommen nur allein nicht dazu.

Es gibt diesen Moment nach dem Essen, den ich jahrelang nicht benannt habe. Ich habe den Hosenknopf aufgemacht. Nicht demonstrativ, eher heimlich, unter dem Tisch, unter dem Shirt. Und dann bin ich aufgestanden und habe die Wärmflasche geholt.

Wenn du jetzt nickst, dann brauchst du den Rest dieses Absatzes nicht. Du kennst den Druck oberhalb des Bauchnabels, das Ziehen, den Bauch, der nach dem Essen aussieht wie im fünften Monat und morgens früh wieder flach ist. Du kennst die Hose, die nach dem Essen nicht mehr passt, obwohl sie morgens noch gepasst hat.

Und du kennst wahrscheinlich auch den Satz, den du dir dazu selbst sagst: Ich muss mich halt besser zusammenreißen und weniger essen.

Was nach dem Essen in deinem Bauch passiert

Im Dickdarm sitzen Bakterien, die verwerten (vergären), was oben im Dünndarm nicht aufgenommen wurde. Dabei entsteht Gas. Das ist keine Störung, sondern der Normalfall und jeder Mensch produziert am Tag ein paar Liter davon, ohne es zu merken.

Spürbar wird es dann, wenn mehr entsteht, als wieder abtransportiert wird. Das passiert zum Beispiel, wenn viel Luft mitgeschluckt wird, weil du z.B. im Stehen isst oder schnell zwischen zwei Terminen. Wenn du noch mal eine große Portion spät am Abend isst, wo der Körper eh schon langsamer und im „Feierabend-Modus“ arbeitet. Wenn du Ballaststoffe nach Jahren mit wenig davon plötzlich in großer Menge isst. Oder wenn sich die Zusammensetzung der Darmbakterien verschoben hat, weil über längere Zeit wenig von dem auf dem Teller lag, wovon sie leben.

Denn Ballaststoffe sind genau das: das Futter für die „guten“ Bakterien, die deine Darmschleimhaut mitversorgen. Kommt wenig davon an, verändert sich, wer da unten wohnt.

Warum es ab Mitte 40 oft anders wird als vorher

Das ist der Teil, über den mir Frauen am häufigsten schreiben. Sie haben nichts umgestellt, sie essen wie immer und ihr Bauch reagiert plötzlich anders. Manche vertragen Zwiebeln oder Pilze nicht mehr, andere kein Vollkornbrot am Abend, wieder andere gar nichts Bestimmtes, sondern alles ein bisschen.

In der Perimenopause verändert sich das Zusammenspiel der Hormone und die Forschung der letzten Jahre beschäftigt sich damit, wie sich in dieser Zeit auch die Bakterienvielfalt im Darm verändert. Sicher weiß man dazu längst nicht alles. Was man aber sagen kann: Du bildest dir das nicht ein und du bist mit deinen Empfindungen auch nicht allein.

Trotzdem gehört an diese Stelle ein Satz, den ich nicht weglassen möchte. Wenn dein Bauch dauerhaft drückt, wenn Schmerzen dazukommen, wenn sich dein Stuhlgang verändert oder du ohne Grund abnimmst: Geh damit zur Ärztin. Nicht, weil ich dir Angst machen will, sondern weil ein Blogartikel keine Untersuchung ersetzt und weil du wissen solltest, woran du bist, bevor du deine Ernährung umstellst.

Was du wahrscheinlich auch schon probiert hast

Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich selbst auch schon durch bin:

Du hast einen festen Essensrhythmus versucht. Ordentlich frühstücken, mittags eine echte Mahlzeit, abends etwas Kleines vor sechs. Nach vier Tagen kamen wieder Tage, in der nichts mehr nach Plan lief.

Du hast auf Bio umgestellt, viel Gemüse, gute Sachen. Dann war die Zeit zum Schnibbeln knapp und das Geld auch, und irgendwann lag wieder das Günstige im Wagen.

Du hast Zucker und Weißmehl weggelassen. Bis das Teilchen vom Bäcker kam als „schnelles Frühstück“ und weil du dein vesper morgens in der Eile zuhause liegen gelassen hattest, das Glas Wein in geselliger Runde, das Honigbrot spät am Abend.

Ich habe genau diese Dinge probiert. Alle drei sind an meinem Alltag zerbrochen, und lange dachte ich, das läge an mir.

Heute sehe ich vier Gründe, und Disziplin ist keiner davon. Ich war allein damit. Ich hatte keinen Plan, musste also jeden Tag neu entscheiden, was ich koche. Ich hatte kein Ende in Sicht und ohne Ziellinie bleibt jede Umstellung ein Vorsatz statt ein Vorhaben. Und der Aufwand war jeden einzelnen Tag derselbe, weil mir das Vorbereiten und Vorkochen fehlte, das meine Woche trägt.

Vier Dinge, die du diese Woche ausprobieren kannst

Nichts davon kostet Geld und nichts davon ist neu. Es sind die Stellschrauben, an denen sich am schnellsten etwas bewegt.

Iss langsamer, im Sitzen. Das klingt nach dem billigsten Tipp der Welt und es ist trotzdem der effektivste, wenn du bisher häufig zwischen Tür und Angel gegessen hast. Wer hastig isst, schluckt Luft mit und die muss wieder raus.

Zieh die letzte Mahlzeit vor. Nicht auf sechs Uhr, wenn das für deinen Tag unmöglich ist. Eine Stunde früher als bisher reicht als Versuch.

Erhöh Ballaststoffe in kleinen Schritten. Wenn du von wenig Gemüse auf viel Gemüse springst, wird dein Bauch das erst mal kommentieren. Das ist kein Zeichen, dass du es nicht verträgst, sondern eine Umstellungsphase. Gib deinem Bauch zwei bis drei Wochen und erhöhe die Ballaststoffmenge in Etappen.

Geh nach dem Essen zehn Minuten. Bewegung bringt den Darm in Schwung, Sitzen bewirkt das Gegenteil. Zehn Minuten um den Block sind kein Sportprogramm, sie sind Verdauungshilfe.

Und jetzt die ehrliche Fußnote: Bei mir hat keins dieser vier Dinge allein gereicht. Sie haben etwas verändert, aber sie haben es nicht verstetigt, weil ich sie nach zwei Wochen wieder schleifen ließ.

Was ich dann gemacht habe

Irgendwann habe ich aufgehört, es allein zu versuchen.

Ich habe bei einer begleiteten Darm- und Leberkur mitgemacht, 16 Tage, mit einem Plan, den ich nicht selbst schreiben musste und mit einer Gruppe Frauen, die sich abends über dieselben Dinge unterhalten haben wie ich. Was sich bei mir verändert hat, erzähle ich als das, was es ist: meine Erfahrung. Ich bin innerlich ruhiger und fokussierter geworden und packe meine Baustellen eher an, statt sie wegzuschieben. Mein Bauch ist heute nach dem Essen entspannter als vorher.

Das ist kein Versprechen an dich, weil ich dir keins geben kann. Jeder Körper antwortet anders und 16 Tage sind ein Anfang, kein Ergebnis.

Was ich dir sagen kann: Der Unterschied lag für mich nicht im Wissen. Ich wusste vorher schon alles, was in diesem Artikel steht. Der Unterschied lag darin, dass ich es zum ersten Mal nicht allein durchgezogen habe.

(Falls du wissen willst, wie diese 16 Tage ablaufen: Sie heißen Wieder Ich, der nächste Durchgang startet am 3. Oktober. Mehr dazu findest du auf meiner Seite.)

Und wie ist das bei dir?

Ich sammle gerade die Momente, in denen es bei Frauen am schlimmsten ist, weil ich merke, dass sie sich stark unterscheiden. Bei der einen ist es nach dem Mittagessen im Büro, bei der nächsten abends auf der Couch, bei der dritten nachts.

Also: Wann fühlt sich dein Bauch am schlimmsten an und was hast du an dem Tag gegessen?

Schreib es mir in die Kommentare oder per Mail. Ich lese jede Zuschrift, und ich antworte auf jede.

Alles Liebe, deine Andrea

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